15. September 2018
20:00 Uhr
Lesung mit Musik
Tamara-Metelka-Nicholas-Ofczarek
Tamara Metelka & Nicholas Ofczarek
Foto: Josef Gallauer

Tamara Metelka & Nicholas Ofczarek

lesen Thomas Bernhard

Musik: Tommy Hojsa (Akkordeon)

Aus der Reihe »Burgschauspielerinnen und Burgschauspieler zu Gast im Greith-Haus« begrüßen wir 2018 den Burgtheater-Star Nicholas Ofczarek und seine Ehefrau und Schauspielkollegin Tamara Metelka. Sie lesen aus Thomas Bernhards sarkastischer Abrechnung »Der Österreichische Staatspreis für Literatur«.

»Der Staat ist ein Gebilde, das fortwährend zum Scheitern, das Volk ein solches, das ununterbrochen zur Infamie und Geistesschwäche verurteilt ist.«

Dieser Ausspruch Thomas Bernhards ist Teil jener berühmt-berüchtigten Dankesrede anlässlich der Verleihung des Österreichischen Staatspreises für Literatur, die im Jahr 1968 einen Skandal auslöste. »Es ist alles lächerlich, wenn man an den Tod denkt!« rief Bernhard dem Unterrichtsminister noch nach, als dieser wütend und Türen schmeißend, gefolgt von allen anderen erbosten »Kunstpfründnern« den Saal verließ, während der Schriftsteller Rudolf Henz zum Podium stürmte und dem Preisträger mit der Faust drohte.

Als Bernhard den Staatspreis zugesprochen bekam, empfand er das bereits als perfide Beleidigung – handelte es sich doch um den sogenannten kleinen Staatspreis, der für den Nachwuchs gedacht war. Nach einer aus seiner Sicht inkompetenten Würdigung durch den Minister holte er in seiner Dankesrede gewissermaßen zum Gegenschlag aus.

Tamara Metelka, Leiterin des Max Reinhardt Seminars, und Burgschauspieler Nicholas Ofczarek lesen »Der Österreichische Staatspreis für Literatur«, Thomas Bernhards Schilderung der Geschehnisse rund um die aufsehenerregende Preisverleihung, die für Schlagzeilen sorgte und Literaturgeschichte schrieb.

Freuen Sie sich auf einen ebenso unterhaltsamen wie bitterbösen Literaturabend!

Eintritt: 40,– Euro
ermäßigt: 36,– Euro (Ö1-Club, ACard) / Ermäßigung für Kinder auf Anfrage
Karten: Tel. +43 3465/20200, E-Mail

Nicholas Ofczarek, geboren 1971 in Wien, wuchs in Graz, St. Gallen und in Appenzell auf. Nach der Schauspielausbildung und Anfängen in der Wiener freien Szene wurde er 1994 von Claus Peymann ans Burgtheater geholt. Für Furore sorgte er dort u.a. in Karl Schönherrs »Der Weibsteufel« in der Inszenierung von Martin Kušej. Von 2010 bis 2012 spielte Ofczarek bei den Salzburger Festspielen die Titelrolle in »Jedermann«. Zuletzt war er wiederholt in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen zu sehen.

Seine Frau und Schauspielkollegin Tamara Metelka, 1972 in Wien geboren, gehörte von 1994 bis 2005 dem Ensemble des Wiener Burgtheaters an. Danach war sie als freie Schauspielerin tätig und gastierte u.a. am Theater in der Josefstadt, am Burgtheater und bei den Festspielen Reichenau. Zudem wirkte Metelka bei zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen mit. 2013 wurde sie Professorin für Sprachgestaltung am Max Reinhardt Seminar, dessen Leitungsteam sie seit Oktober 2014 als Institutsvorstand angehört.

Thomas Bernhard war der kontroversiellste österreichische Schriftsteller des letzten Jahrhunderts. Seine Theaterstücke waren Skandale und große Erfolge, indem sie der österreichischen Larmoyanz und Geschichtsvergessenheit einen Spiegel vorhielten. Seine vielfach ausgezeichneten Romane mit ihren präzisen Überspitzungen und musikalischen Wiederholungen zeichnen weite Seelenlandschaften im Verfall. Thomas Bernhard war einer der meistverehrten und der meistbeschimpfte Dichter der Republik. Dass er auch als Person ein überaus kritischer, streitbarer Zeitgenosse war, davon zeugen unter anderem seine autobiografischen Aufzeichnungen »Meine Preise«.