Die Sammlung

Professor Gerhard Kisser

Die Sammlung Infeld und die Phantastischen Realisten
Gerhard Kisser

Das Wiener Unternehmen Thomastik-Infeld ist einer der wichtigsten Musiksaiten-Produzenten der Welt, es exportiert in mehr als 100 Länder. Der Eigentümer Peter Infeld (1942) hat gemeinsam mit seiner Mutter Margaretha (1904-1994), jahrzehntelang »Grande Dame« der Wiener Kunstszene, in über vierzig Jahren die tausende Werke umfassende und ab 1995 in die Peter Infeld Privatstiftung eingebrachte Sammlung aufgebaut.

»Meine Mutter hat mir in meiner Jugend die Augen für das Schöne in Literatur, Musik und bildender Kunst geöffnet. Dennoch ließ sie sich nie verleiten, Kunstwerke zu kaufen«, schreibt Peter Infeld in einem Vorwort. Bis 1965. Da zeigt die Wiener Zentralsparkasse eine Ausstellung der »Wiener Schule«. Der Begriff »Wiener Schule des Phantastischen Realismus« wurde seinerzeit vom Wiener Kunstkritiker Johann Muschik geprägt. Er bezog sich auf eine Gruppe von etwa 30 Malern, deren Keimzelle die Klasse von Albert Paris Gütersloh an der Akademie der Bildenden Künste in Wien war. Arik Brauer, Ernst Fuchs, Rudolf Hausner, Wolfgang Hutter und Anton Lehmden wurden zu den wesentlichsten Vertretern dieser Schule. Sie haben das Wien der Nachkriegszeit auf künstlerischem Gebiet wieder in das Bewusstsein gerückt und international Anerkennung gefunden. Dabei hat jeder der fünf Künstler zu seinem eigenen unverwechselbaren Stil gefunden.

Peter Infeld ist begeistert von den Bildwelten dieser Künstler, er besucht Hausner und Fuchs und erwirbt von letzterem 1967 das erste Bild, die »Architectura Caelestis: Monstranz«, er vertieft durch Kontakte mit Brauer, Lehmden und Hutter sein Wissen, kauft von den Künstlern, denen er bis heute freundschaftlich verbunden ist, zum Teil exquisite Frühwerke. Gemeinsam mit Werken von Albert Paris Gütersloh und Arbeiten anderer Phantasten entsteht ein erster Sammlungsschwerpunkt. Auch von ehemaligen Schülern der Gründerväter, die heute ebenfalls zu namhaften Künstlern avanciert sind, wie Bramer, Benedetto Fellin, Helnwein, Gansert oder Joachim Luetke und weiteren, werden teils umfangreiche Oeuvre Gruppen angekauft.

In den 60er und 70er Jahren ließen Margaretha und Peter Infeld kaum eine Ausstellung aus, besuchten zahlreiche Künstler in ihren Ateliers, entdeckten Rainer, Hrdlicka, Staudacher und Korab, kauften Werke der Gugginger Künstler, Arbeiten von Ringel, Pongratz und Angeli, von Vallazza, Zeppel-Sperl und vielen anderen. In rascher Folge kamen Arbeiten von Attersee, Tone Fink, Walter Pichler, Schmögner und Hundertwasser – von dem auch ein Großteil seines druckgrafischen Werkes erworben wurde – dazu sowie Kostbarkeiten von Koloman Moser, Schiele, Klimt, Kubin, Kokoschka oder Boeckl. Der Fabrikant, Sammler, Tenor und Mäzen in einer Person weiß seine Mutter bis zu ihrem Tod an seiner Seite.

Die österreichische Kunstlandschaft wurde bald zu klein, liebevoll ausgewählte Werke großer europäischer Künstlerpersönlichkeiten erweiterten die Sammlung Infeld. Eine große Zeichnung von Adolf Wölfli war die letzte Arbeit, die Mutter und Sohn gemeinsam erwarben. Es war dann nur eine Frage der Zeit bis Peter Infeld 1996 auch den Schritt nach Übersee wagte. Mit einem Werk von Andy Warhol legte er den Grundstein seiner ebenfalls stetig wachsenden Pop Art Sammlung.