Durch die Bücher von Gerhard Roth

Unterwegs auf den Greith-Wegen laden »Landschaftspulte« ein, Stand­punkte in der Landschaft zu beziehen. Das Augenmerk wird auf die Sichtweise von außen gerichtet. Eine Zitatensammlung aus in- und ausländischen Presseberichten ist für die innere Orientierung gedacht.

Kirche, Friedhof

Wie selten zuvor werden Zeit und Raum ausgeweitet, vermengt sich die Wirklichkeit der Lebenden mit der der Toten, werden die Menschengeschichte und die Naturgeschichte lebendig.
Rheinischer Merkur, 1984


Finsterl

Es hat sich inzwischen herumgesprochen, dass in der Literatur die wirklichen Abenteuer nicht unbedingt transalpine oder transatlantische sein müssen, sondern das sie zu Hause, um die Ecke zu finden sind.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1984


Bergwerk

Von außerliterarischen Vorbildern ausgehend (der Musik, der Malerei) bringt »Landläufiger Tod« in einer Vielfalt von Stilen, Tönen, Blickwinkeln das Leben zu Bewusstsein als einen unendlichen Kosmos von Bedeutung, den zu besprechen eine Notwendigkeit darstellt angesichts unserer technischen Selbstvernichtung.
Neue Zeit, 1984


Hölle/Ziegelwerk

Grenzland im schönen Österreich, das hört sich für dieses südsteirische Gebiet in statistischen Untersuchungen so unliterarisch nüchtern an wie Berichte von der deprimierenden deutsch-deutschen Staatsgrenze: Wegen der ungünstigen Lage ist das Verkehrsnetz nur ungenügend ausgebaut – kein Anreiz für Investoren aus Industrie und Fremdenverkehr.
Die Zeit, Zeitmagazin, 1980


Tante Juliane

Aus den erzählerischen Verknotungen wickelt sich die Physiognomie des Dorfes und seiner Einwohner heraus. Das Dorf erzählt sich durch seine Bewohner.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1984


Alter Mautner

Wo die scheinbare Harmlosigkeit des Alltags aufbricht, wird manifest, was in unserer städtischen Gesellschaft verdrängt ist: Die Allgegenwart des Todes und die Hilflosigkeit der Menschen in der Geschichte.
TAZ, 1991


Hohlkeusche

Zentriert ist diese Gegenwartskunde über unseren verdrehten Umgang mit der dünnen Oberschicht der Wirklichkeit im »Landläufigen Tod«, der Wiedererfindung der literarischen Sogwirkung, der man sich nie mehr entziehen kann.
Kleine Zeitung, 1990


Koppitschhaus

Die enteren Gründ’, abgeschnitten von der Außenwelt. Und man kann sich nicht satt sehen.
AZ/Tagblatt, 1989


Hofstätter

Und trotzdem sind viele geblieben, haben ihr karges Leben, das keinen Achtstundentag kennt, dem möglichen Dasein am Fließband vorgezogen. Denn die Dörfler sind immerhin eine Gemeinschaft, die kein Alleinsein, kein Altersheim kennt.
Die Zeit, Zeitmagazin, 1980


Kreuzer

Am verendenden Niederwild konstatierte Tollwut macht die Waffenträger zielwütig und streunende Hunde und Katzen zu Todeskandidaten.
Die Presse, 1980


Streicher

Im Buch erschließt sich – auch – eine archaische Bilderwelt, der alsbald die adäquate Umsetzung folgt: eine Filmversion.
Kleine Zeitung, 1990


Mathansteich

Die Landwirtschaft geht rapid zurück, denn die Jungen drängt es in andere Berufe; da aber Arbeitsplätze fehlen, wird jeder dritte Arbeitnehmer zum Pendeln gezwungen.
Die Zeit, Zeitmagazin, 1980


Rössel

Der pausierende Intellektuelle bewährt sich aber in der schrotkugelträchtigen steirischen Landluft.
Die Presse, 1980


Wuggaupartl

(…) Für viele Menschen ist eine Grenze die harte Trennung von der anderen Seite, für manche nur eine gedachte Linie ohne Einfluss. Für ein steirisches Dorf nahe Jugoslawien, eines von vielen, bedeutet sie den Verzicht auf Fortschritt und Wohlstand.
Die ZEIT, Zeitmagazin, 1980


Aschers Haus

Flucht aufs Land – für Überdrüssige erstrebenswertes Ziel und reizvolles Abenteuer zugleich.
Die ZEIT, Zeitmagazin, 1980


Bienenzüchter

Als er den Roman zu schreiben begann und nicht weiterkam, aus Verzweiflung Melvilles »Moby Dick« kopierte, über 100 Seiten, hatte ein Bienenzüchter vor seinem Haus 40 Stöcke aufgestellt, mit fast drei Millionen Bienen.
Der Spiegel, 1992