Die Künstler von A-Z

Christian Ludwig Attersee
Christian Ludwig Attersee

Der Vielseitige

»Er zählt seit mehr als 40 Jahren zu den bedeutendsten Einzelgängern im Bereich der gegenständlichen Malerei Europas, seine Kunst kommt aus der Phantasie und dem Leben« – lobt die Galerie Hilger Christian Ludwig Attersee. Das Werk des 1940 als Christian Ludwig in Pressburg (Slowakei) geborenen Multitalents wechselt zwischen figurativen Darstellungen und überbordender Phantastik und ist von Ideenreichtum und Sinnlichkeit, Expressivität und Witz geprägt. Er unterhielt Kontakte zur Gruppe der Wiener Aktionisten und beteiligte sich an deren Aufsehen erregenden Aktionen. In den 60ern entstanden seine ersten Bilderzyklen, typisch für ihn sind auch die von der amerikanischen Pop-Art beeinflussten »Gegenstandserfindungen«. Der Musiker, Schriftsteller, Objektmacher, Designer und Bühnenbildner lehrte ab 1991 an der Universität für angewandte Kunst in Wien.

Georg Eisler
Georg Eisler

Ein engagierter Realist

Er malte stets, was ihm der Tag zutrug und er blieb der gegenständlichen, expressionistischen Formgebung treu: Georg Eisler, 1928 als Sohn des Komponisten Hanns Eisler und der Sängerin Charlotte Eisler in Wien geboren, wurde dafür zeitweise auch als »rückständig« kritisiert. Eisler, der mit elf Jahren nach England emigrieren musste, erhielt in Manchester und London seine Ausbildung. Nach seiner Rückkehr nach Wien studierte er u. a. bei Herbert Boeckl an der Wiener Akademie. Der 1998 verstorbene Künstler gilt als einer der profiliertesten, sensibelsten, aber auch engagiertesten Vertreter des Realismus im Nachkriegsösterreich. In seinen Werken ist das politische Engagement, das Interesse am Menschen als soziales Wesen unübersehbar, es dominiert das ungeschönte Abbilden von Landschaften, Stadtbildern und Menschenmengen.

Adolf Frohner
Adolf Frohner

Verteidiger der Malerei

»Ich bin ein Feind der Beiläufigkeit«, sagte Adolf Frohner, Schöpfer monumentaler Bilderzyklen, anlässlich einer Retrospektive in Wien. Der 1934 im niederösterreichischen Groß-Inzersdorf geborenen Künstler, dem die Aufnahme an die Akademie der bildenden Künste verwehrt worden war, erhielt dank seines Mentors Herbert Boeckl ein Stipendium in Paris und machte Bekanntschaft mit den »Nouveaux Realistes«. Zurück in Wien mauerte er sich mit Hermann Nitsch und Otto Muehl drei Tage ein, der »Wiener Aktionismus« war geboren. Frohner kehrte ihm allerdings bald den Rücken, weil er nicht vor Publikum arbeiten wollte. Der internationale Durchbruch gelang dem 2007 verstorbenen Künstler bei den Biennalen in São Paulo und Venedig (1969/1970), wo seine immer mehr auf reine Malerei konzentrierten Werke starke Beachtung fanden.

Bruno Gironcoli
Bruno Gironcoli

Der großer Einzelgänger

Bildhauer Bruno Gironcoli, 1936 in Villach geboren, im Februar 2010 in Wien gestorben, kannte keine Kompromisse: Der Arbeit an seinem eigenwilligen, irritierenden bildhauerischen Werk hat er seine Gesundheit geopfert, die giftigen Dämpfe der von ihm verwendeten Materialien setzten ihm zu. Die mit glänzenden Metallfarben bemalten riesigen Objekte, in denen Alltägliches wie Babyfiguren oder Edelweiß symbolbeladene Arrangements bilden, sind unverkennbar und unübersehbar. Der Nachfolger von Fritz Wotruba als Leiter der Meisterschule für Bildhauerei der Akademie der bildenden Künste in Wien beeinflusste mit seiner Erweiterung des traditionellen Skulpturbegriffs eine ganze Künstlergeneration. Zeichnungen und Siebdrucke sind ein weniger bekannter Aspekt im Schaffen des großen Einzelgängers.

Alfred Hrdlicka
Alfred Hrdlicka

Ein sensibler Berserker

Österreich hat am 5. Dezember 2009 mit Alfred Hrdlicka einen der wichtigsten zeitgenössischen Bildhauer, Zeichner und Maler verloren. Nach Absolvierung der Zahntechnikerlehre studierte der 1928 in Wien geborene Arbeitersohn bei Albert Paris Gütersloh, ehe er sich als Bildhauer akademische Ehren erwarb. »Ich bin ein Fossil, ein Steinzeitmensch, mit einer Wirbelsäule wie ein Dinosaurier«, sagte der streitbare Zeitgenosse, der seine Briefe gerne mit »Ultrastalinist« unterzeichnete, an seinem 80. Geburtstag. Vor allem im öffentlichen Raum war die Aufstellung seiner Skulpturen meist von heißen Diskussionen begleitet, ob in Salzburg, Wien, ob in Berlin oder Hamburg. Der sensible Berserker lehrte an Hochschulen, arbeitete als Bühnenbildner, als Zeichner und Grafiker stellte er den leidenden und geschundenen Menschen in den Mittelpunkt. Sein Diktum: »Alle Kunst kommt vom Fleisch«.

Maria Lassnig
Maria Lassnig

Grand Dame der österreichischen Malerei

Auf ihren künstlerischen Durchbruch hat die 1919 im kärntnerischen Kappel am Krappfeld geborene Künstlerin Maria Lassnig lange warten müssen. Zwei Jahre nach der Aufnahme musste sie 1943 die Akademie der bildenden Künste verlassen, weil ihre Bilder als »entartet« bezeichnet wurden, ihr Studium schloss sie dann bei Ferdinand Andri und Herbert Boeckl ab. »Ich male und zeichne nicht den Gegenstand ›Körper‹, sondern ich male Empfindungen vom Körper«, beschrieb sie einmal ihre bekannte Körperbewusstseinsmalerei, zu der sich auch Selbstporträts, Kellerbilder oder Trickfilme gesellten. Der Grund für ihre späte Anerkennung mag darin liegen, dass sie immer schwer einzuordnen war. Die zwischen reizender Unkompliziertheit und eigenwilligem Stursinn schwankende Grand Dame der österreichischen Malerei wird von London bis New York enthusiastisch bejubelt.

Oswald Oberhuber
Oswald Oberhuber

Der Universalist

Bildhauer, Maler, Zeichner, Kunsttheoretiker, Lehrer, Poet und Ausstellungsmacher: Der Universalist Oswald Oberhuber gilt als zentrale Persönlichkeit der österreichischen Kunst nach 1945. Seine vielfältigen Impulse haben auch Widerstand provoziert. Legendär ist sein Manifest zur Ablehnung jeglicher Stilbildung in der Kunst. Der 1931 in Meran geborene Künstler war mit seiner Familie 1940 nach Nordtirol ausgesiedelt worden. Nach der Gewerbeschule, Abteilung Bildhauerei, in Innsbruck lernte er bei Fritz Wotruba an der Meisterschule. Er war als Professor und als Rektor der Hochschule für angewandte Kunst tätig und sorgte für nachhaltige Reformen. »Oberhuber ist ein Erfinder, ein radikaler Reformer, auf Gedeih und Verderben mit der Kunst verbunden«, beschrieb ihn Peter Noever, MAK Wien, anlässlich einer Ausstellung.

Arnulf Rainer
Arnulf Rainer

Ausgezeichneter Provokateur

Mit seinem umfangreichen Werk, von der Übermalung religiöser Symbole bis zum landschaftlichen Fehlfoto, ist Arnulf Rainer seit Jahrzehnten in den wichtigsten Museen der Welt vertreten und hat alle nur erdenklichen Auszeichnungen erhalten. Da er zwei Kunsthochschulen nach Kontroversen schnell wieder verließ, wandte sich der 1929 in Baden bei Wien geborene Künstler nach erstem Interesse für Surrealismus und Art informel am Beginn der 1950er-Jahre seinen berühmt-berüchtigten Übermalungen zu, sie wurden zu Insignien österreichischer Nachkriegskunst. Es gelang Rainer wie keinem anderen, Werk und Person zu einer unverwechselbaren Einheit werden zu lassen, zu einer Trademark. Nicht verwunderlich, dass das ehemalige Enfant terrible an seinem 80. Geburtstag bekannte: »Ich habe das Gefühl, ich bin durchs Leben gegangen wie durch einen Traum.«

Franz Ringel
Franz Ringel

Abstrakter Pantomime

1968 stellte Kunstkritiker Otto Breicha in der Secession in Wien unter dem Titel »Wirklichkeiten« sechs damals kaum bekannte Malerpersönlichkeiten aus, dazu gehörte auch Franz Ringel, 1940 als Sohn eines Rossknechts und einer Wäscherin in Graz geboren. Der Schüler von Albert Paris Gütersloh lernte Jean Dubuffet und seine »Collection de l’art brut« kennen und stand auch in engem Kontakt zu den Künstlern von Gugging. Ein expressiver Gestus und intensive Farbigkeit kennzeichnen seinen malerischen Ausdruck, Angst und Eros sind zentrale Antriebskräfte. »Ich bin eigentlich in meiner eigenen Person unheimlich eingesperrt, gefangen, gefesselt«, sagte der manische Maler seiner »Wirklichkeiten«. Ringel-Experte Peter Gorsen sieht ihn als »abstrakten Pantomimen« in der »österreichischen Tradition der expressiven Körpermalerei«.

Hans Staudacher
Hans Staudacher

Meister des Informel

»Kunst ist nicht Geschäft, sondern Freiheit der Seele, Freiheit des Raumes, Freiheit des Geistes«, sagt Hans Staudacher. Der Vertreter der lyrisch-abstrakten Bildsprache ist unbeeindruckt von wechselnden Stilen und Moden seit mehr als 50 Jahren dieser Maxime treu geblieben. Der 1923 in St. Urban am Ossiacher See geborene Autodidakt begann nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft 1951 mit tachistischen Kunstharzbildern, Aufenthalte in Paris beeinflussten ihn entscheidend. Er begann sich mit dem Lettrismus, der Verbindung von Bild und Schrift, zu beschäftigen. In seinem umfangreichen Oeuvre gehen Schriftzeichen, Zahlen und Buchstaben, Farben und Flächen immer wieder neue, kraftvolle Kombinationen ein. Die chaotische Logik und innere Notwendigkeit seines Werkes entspreche einer zusammenfassenden Ordnung, sagt Peter Baum über den Meister des Informel.

Robert Zeppel-Sperl
Robert Zeppel-Sperl

Der phantastisch Phantasievolle

Seine farbenfrohen Bilder dürfen in keiner Sammlung österreichischer Malerei des 20. Jahrhunderts fehlen. Für den 1944 in Leoben in der Steiermark geborenen Künstler Robert Zeppel-Sperl waren Frauen und Tiere die beiden großen Themenbereiche seiner Arbeit. »Seine Malerei war von Anfang an phantasievoll und phantastisch«, schrieb Kunstkritiker Otto Breicha einmal über den Mitbegründer der Gruppe »Wirklichkeiten«. Gemeinsam mit Ringel, Herzig, Jungwirth, Kocherscheidt und Pongratz hatte er sich gegen die damals allgegenwärtige Wiener Schule des Phantastischen Realismus aufgelehnt, Breicha nannte es »das Debüt der Handke-Generation in der bildenden Kunst«. 1969 zog Zeppel-Sperl nach Venedig, 1990 baute sich der 2005 Verstorbene ein Atelier auf Bali – auf der indonesischen Insel fand er eine bunte, faszinierende und gelebte Sagen- und Märchenwelt, die ihn immer wieder neu inspirierte.