Vom Sehen und Sammeln

Professor Ernst Hilger

Es war 1969, als ich Peter Infeld und seiner Mutter Margaretha das erste Mal begegnete. Wien war von den Ausläufern der Woodstock-Atmosphäre erreicht worden, und ich hatte mit ein paar Freunden den Folkklub Atlantis gegründet. Die Milestones hatten einen der ersten Austropop-Hits, und mein Partner im Musikmanagement machte mich mit Peter Infeld bekannt. Gemeinsam mit seiner Mutter besaß er die Musiksaitenfirma Thomastik-Infeld und sponserte schon damals eine Reihe von Musikern und Bands.

Ich lernte zwei außerordentliche Menschen kennen. Schon bei der ersten Begegnung wurde mir die Bedeutung der Kunst für Peter und seine Mutter klar, die im Zentrum ihres Interesses stand. An der Wand, gegen den Schreibtisch gelehnt, praktisch überall, lagen und standen Bilder zur Ansicht oder bereits erworben. Auf dem Tisch türmten sich Kataloge und Korrespondenz mit Künstlern, denn für Margaretha und Peter Infeld war von Anfang an der Bezug zu den kunstschaffenden und kunstinteressierten Menschen genauso wichtig wie der Bezug zu den Bildern. Es öffnete sich mir eine neue und interessante Welt. Ich wurde in diesen Kreis der Lebensfreude und des Kunstgenusses aufgenommen, wo ich zahlreichen Künstlern begegnete. Das führte unter anderem in der Folge auch zu meiner Tätigkeit als Galerist – aber das ist eine andere Geschichte.

Wie begann aber nun diese lebendige und stets weiter wachsende Sammlung? Das erste Bild war ein Dali-Holzschnitt aus dem Zyklus der »Göttlichen Komödie«. Über diesen Surrealisten kam bald darauf der erste Kontakt zur Wiener Schule des Phantastischen Realismus, die in den Anfangsjahren zum zentralen Thema der Sammlung wurde.

Danach waren Alfred Hrdlicka, Karl Korab und Gottfried Kumpf, aber auch Arnulf Rainer und Robert Zeppel-Sperl bald mit ihren Werken in der Sammlung vertreten. Neben Originalen wurden einige Künstler wie Hundertwasser, Hutter, Fuchs und Hrdlicka auch intensiv in der Druckgrafik gesammelt. Peter Pongratz, Christian Ludwig Attersee und Walter Pichler, Kostbarkeiten von Egon Schiele, Gustav Klimt und Herbert Boeckl kamen in rascher Folge in die Sammlung.