6. Juni 2008
 
Kleine Zeitung

Bunte und dunkle Materie

Der Untertitel trügt. Wer sich bei »Arbeiten auf Papier 1968 – 2008« Kleinformatiges im Grafikkabinett vorstellt, wird überrascht sein. In der Ausstellung »An der Biegung des Flusses« mit Werken von Peter Pongratz sind Arbeiten auf Papier gleich einmal wandfüllend. Da blicken den Betrachter aus einem Zwei-mal-drei-Meter-Bild »Seltsame Figuren« an, dort geben geheimnisvolle Unterwelten ihr Innenleben preis, anderswo wiederum öffnen sich noch größer konzipierte Panoramen von üppigen Gärten.

Aber natürlich: »size doesn’t matter«, auf die Größe kommt es nicht an. Peter Pongratz ist auch im kleinen und kleineren Format ein Meister hochgradiger Verdichtung. In der reich bestückten Schau, die einen exzellenten Querschnitt durch das Werk des Künstlers darstellt, finden sich ebenso eindrückliche Belege für Pongratz’ Umgang mit Farbe wie für seinen Einsatz von Schwarz auf Weiß. Diesbezüglich besonders intensiv: Federzeichnungen, die 1993 unter dem Eindruck des Balkankriegs entstanden. Den Titel lieh sich der Zeichner von Joseph Conrad: »Das Herz der Finsternis«.

In Arbeiten vor allem aus diesem Jahrhundert zeichnet und malt Pongratz, persönlich ein zutiefst menschenfreundlicher Grantler, die Welt verstärkt mit jenen Mitteln »besser«, für die er sich auch schon früher interessierte – mit den Mitteln, die Kindern zur Verfügung stehen. »Im Garten«, »Blumen«, »Arkadische Szene« heißen diese scheinbar naiven Bestandsaufnahmen, in denen es aber tüchtig kocht und brodelt.

Walter Titz