14. Juli 2009
 
Kleine Zeitung

Dichte Träume finden Räume

In St. Ulrich/Greith sind Galionsfiguren der Phantastischen Realisten zu sehen. In beachtlicher Fülle und Qualität. Man muss sie ja nicht lieben, nicht einmal mögen. Aber was da derzeit im polyglotten Greith-Haus in St. Ulrich zu sehen ist, hinterlässt den Betrachter tief beeindruckt: Eine ähnlich komplette Darstellung des von Wien ausgehenden Phantastischen Realismus war schon lange nirgendwo zu erleben. Und das, obwohl die mehr als 150 Exponate aus nur einer Sammlung stammen, jener des jüngst viel zu früh verstorbenen Peter Infeld, Musiksaitenproduzent und passionierter Kunstsammler.

Alle sind sie da, teils mit Schlüsselwerken: Der Mystiker Ernst Fuchs, der dekorwütige Wolfgang Hutter, der ewige Adam Rudolf Hausner, der Schwebekünstler Anton Lehmden, der Märchenmaler Arik Brauer. Dazu noch ihrer aller Pate, Albert Paris Gütersloh. Und Abkömmlinge wie Josef Bramer, Benedetto Fellin, Ulrich Gansert, Joachim Luetke und Franz Zadrazil. (…)

Was man im diffusen Trubel von Postmoderne, Konzeptkunst, Minimalismus etc. schon fast vergessen haben mag, wird einem vom Kulturverein St. Ulrich wieder in Erinnerung gerufen: mit welch atemberaubender technischer Meisterschaft die Obgenannten ihre Phantasien auf Papier und Leinwand brachten. Einige Bilder Hutters sind so fein ziseliert, dass man wenigstens dem Handwerker seine Bewunderung nicht verwehren kann. Selbiges gilt für Hausners penibel gemalte Narzissmen. Manche Gemälde von Brauer und Lehmden bestechen allein durch ihre verträumte Schönheit.

Dass sie mit ihrer Kunst allesamt wohlhabend wurden, bestätigt indes die Behauptung, man sollte sie eher als Realistische Phantasten bezeichnen.

Frido Hütter