6. Juni 2004
 
Kleine Zeitung

Ein Fechter mit Hieb und Stich und Stoß

Werke des großen Kärntner Malers Hans Staudacher sind derzeit im Kulturhaus St. Ulrich im Greith zu sehen. Er wuchs in Villach auf. Aber eigentlich wuchs Hans Staudacher 1950 aus Villach hinaus nach Wien, um tatsächlich von 1954 bis 1960 in Paris als Maler aufzuwachsen, dort seine Aura zu beleben und mit Eindrücken zu füllen. Mit der Welt und der Kunst.

Der 81-Jährige ist der Prototyp des Autodidakten. Er hat die Malerei für sich erfunden. Er schreibt seine Bilder, ohne sie zu beschreiben. Er malt als »ein getriebener, spontaner Mensch, wie ein Fechter fechtet. Hieb und Stich und Stoß, sehr aggressiv auf der einen Seite, auf der anderen der Versuch, daraus etwas Poesie zu machen.« Und so ein Fechter lebt von Angriff und Reaktion. Staudachers Angriff ist Reaktion gegen die leere Fläche. Seine Malerei ist Ventil über dem Stau der auf ihn wirkenden Eindrücke. Erster Höhepunkt war die Teilnahme an der Biennale 1956. Seither ist es mit dem Großmeister der Improvisation stets bergauf gegangen. Um von seiner Kunst leben zu können, musste Hans Staudacher dennoch erst 60 werden. Bis dahin arbeitete er als Teppich-Reiniger in Ottakring. Dass heute für seine Bilder bei Auktionen bis zu 30.000 Euro bezahlt werden, hält er für »keine gute Propaganda«. »Jetzt sagen die Leute, du bist leider nicht mehr zum Derzahlen…« Einer wie er ist ohnedies unbezahlbar.