16. Mai 2003
 
Kleine Zeitung

Gewalt & Zärtlichkeit

Die größte Schau zum 75. Geburtstag von Alfred Hrdlicka findet in der Steiermark statt.

Am 27. Februar wurde er 75. Seine Heimatstadt Wien feierte das mit einer Ausstellung bereits im Vorjahr, weshalb die größte Hrdlicka-Schau dieses Jahres in der Südweststeiermark stattfindet. Nach einer kleinen, aber feinen Präsentation von Bronzen und Originalzeichnungen im Frühjahr in der Grazer Galerie Kammerer bietet man im Kunsthaus von St. Ulrich in Kooperation mit Hrdlickas Galerie Hilger eine Schau, die im spannenden Nebeneinander von Großem und Kleinem überzeugt.

Neben den Grafikzyklen »Wiener Blut« und »Die große Französische Revolution« werden Boxer, Gladiatoren und Kleinplastiken von Figuren der Nibelungensage aufgeboten, um den Bildhauer in seiner schöpferischen Vielfalt und auf der Höhe seines Schaffens zu zeigen. Aus Hrdlickas Beschäftigung mit dem deutschen Parademythos stammt auch der monumentale Bühnenbildteil in der Haupthalle, geschaffen 2001 für eine Inszenierung von Richard Wagners »Ring« in Meiningen.

Es ist eine Kunst, in der sich das Gewalttätige und das Zärtliche als zwei Seiten des menschlichen Wesens abbilden. Zwei Seiten, von welchen den politisch engagierten Künstler die erstere in all ihren Fassetten fraglos immer mehr faszinierte und inspirierte.

Walter Titz