1. Februar 2007
 
Leibnitz Aktuell

Historisches Konzert im Kulturhaus

Mit heimischem Jazz vom Feinsten verwöhnte Anfang Februar im Kulturhaus von St. Ulrich im Greith das legendäre »Erich-Kleinschuster-Sextett« seine zahlreiche Fangemeinde. Das Interesse dafür war so groß, dass die Veranstalter die letzten Reserven an Sesseln aus dem Keller aufbieten mussten, um den weit über 300 Personen zählenden Besucheransturm aus Nah und Fern bewältigen zu können.

Und so konnte Kulturobfrau Helene Wallner gleich zur Begrüßung freudig verkünden, dass man diesmal »ausverkauft wie noch nie« sei. Als Solist, Komponist, Arrangeur und Bandleader ebenso wie als Musikpädagoge und ORF-Abteilungsleiter hat Erich Kleinschuster nämlich die österreichische Jazzgeschichte geprägt wie kein anderer. Mit seinem Sextett hat der im Jahr 1958 vom Juristen zum Jazzmusiker mutierte Grazer internationale Anerkennung gefunden und vor kurzem auch Zeit, ins kleine, aber feine St. Ulrich zu kommen.

Der prominente Gast streute dem Organisationsteam vorab Blumen: »So eine kompetente Zusammenarbeit habe ich schon lange nicht erlebt. Das macht es uns auf der Bühne leicht.« Dass der 77-jährige »Literat der Posaune« unvermindert Lust am Spielen verspürt, war bei seinem umjubelten Auftritt unüberhörbar. Mit dem Grandseigneur geben sich Harry Neuwirth am Klavier, Horst Michael Schaffer mit Trompete und Flügelhorn, Thomas Kugi mit Saxophon, Alexander Meik am Bass sowie Howard Curtis am Schlagzeug, die Ehre.

Der erste Teil des Abends war dem Bepop gewidmet, der Anfang der 40-er Jahre des 20. Jahrhunderts im Jazz den Swing als Hauptstilrichtung abgelöst hat. Das Sextett spielte nach einer »Jugendsünde« von Harry Neuwirth – einem Song dem er seiner ersten Frau gewidmet hatte – u.a. Stücke von Dizzy Gillespie, Benny Golson oder George Coleman. Dabei traten immer wieder einzelne Mitglieder phasenweise als Solisten in Erscheinung. So begeisterte der Neo-Professor der Musikuniversität Graz, Howard Curtis, der im Vorjahr bei den Leibnitzer Jazztagen im Marenzikeller Dena deRose an den Drums begleitet hatte, mit feinfühligen Tempi- und Laustärkenwechsel das Auditorium. Auch der von Neuwirth aus Salzburg an die Uni Graz geholte Alexander Meik am Bass, wollte da keineswegs nachstehen.

Durchwegs Eigenkompositionen Kleinschusters wie etwa »No more blues«, die Suite »Symphonie for a lady« und »Maurische Lofoten« waren nach der Pause die Höhepunkte eines für das Publikum sicher noch lange unvergesslichen Abends, der erst nach mehreren Zugaben zu Ende ging.

Heribert Kindermann