20. Oktober 2003
 
Kleine Zeitung

Schreiben als »Ansporn zum Leben«

Eine feine »Literarische Nacht« im Kulturhaus St. Ulrich im Greith.

Szyszkowitz/Kowalski haben ja in St. Ulrich im Greith mit ihrem Kulturhaus ein architektonisches Vorzeigebiotop angelegt. Dass es seit Mai 2000 mit erfrischenden Programmen gehegt und gepflegt wird, ist längst kein Geheimnis mehr. Am Samstag lockte eine hochkarätig besetzte »Literarische Nacht« in den Multifunktionsbau des »Laubdorfes«.

Angela Krauß, 1988 Bachmann-Preisträgerin, las aus ihrem Roman »Weggeküsst«, in der eine Frau auf der Suche nach Orientierung »und dem ewigen Fragment des Anderen« ist. Die seltsame Blutleere der Textpassagen aber gab keine dringende Kaufempfehlung für den Suhrkamp-Band ab.

Ganz anders die prallvolle Erzählwelt von Blaise Cendrars (1887-1961): Dem Fremdenlegionär, Querwelteinreisenden und kriegsversehrten Piloten war Literatur »Ansporn zum Leben«. Der überschäumenden Fabulierkunst Cendrars’ setzte Wolfram Berger mit feinen Nuancen die Krone auf. Eine echte Entdeckung.

Zum Finale jonglierte Monique Schwitter mit Auszügen aus den verqueren »Stilübungen« von Raymond Queneau. Eine Stänkerei in einem Pariser Autobus nahm der Autor 1947 zum Anlass, Thema und (108!) Variationen durchzuspielen und die Alltagsszene unter anderem in ein Verhör, eine Komödie oder eine Ode zu transponieren.

Michael Tschida