18. Mai 2000
 
Kleine Zeitung

Vorzeigebau in Schilcher & Grau

Eine Weinbaugemeinde realisiert in Rekordzeit, wovon andere nur träumen: ein Kulturhaus, das höchsten Ansprüchen genügt.

Ganz klar: Ob solch eines Objekts würden sich viele alle Finger abschlecken. Nicht nur Kommunen von der Größe jener, die es nun ihr Eigen nennen kann: das neue Kulturhaus von St. Ulrich im Greith. Am kommenden Wochenende wird die südsteirische 1545-Seelen-Gemeinde Sulmeck-Greith das architektonische Vorzeigeprojekt eröffnen. Was man sich nicht entgehen lassen sollte. (…)
Dabei ist einiges nicht optimal gelaufen. Besonders bitter: das Abhandenkommen des wichtigsten Impulsgebers für das Projekt – des Schriftstellers Gerhard Roth, der in St. Ulrich ansässig ist. Menschliche Kommunikationsprozesse können sehr, sehr kompliziert sein.
Jedenfalls: Als Architekten konnte das Grazer Planer-Duo Karla Kowalski/Michael Szyszkowitz gewonnen werden. Denen das Engagement imponiert und die dem Schilcherort ein Kulturhaus maßschneiderten: ein Bauwerk von unaufdringlicher Markanz, bestens eingefügt in den Ortskern auf schwierigem Hanggrundstück mit Gefühl und Verstand umgesetzt. In Schilcherrot und Hellgrau. Eine mit drei geschwungenen Dächern gedeckte Holzhalle, eingefasst von vier Eckpfeilern, die mit 25.000 grau glasierten, einzeln nummerierten Ziegeln verkleidet sind. (…)
Das vorliegende Jahresprogramm bietet aber auch Ausstellungen (Oswald Oberhuber, Josef Fink, Erwin Moser), Lesungen (Wolfi Bauer), ein Symposion zum Thema »Ländliche Baukultur« (gemeinsam mit dem »steirischen herbst«) und mehr. Oberhuber hat auch Zeichnungen als Motive für »Greith-Shirts« (T-Shirts, deren Verkauf wiederum dem Haus zugunsten kommt) zur Verfügung gestellt.

Walter Titz