Inge-Morath
Inge Morath beim Karneval in Ptuj, 2001
Foto: Stojan Kerbler

Inge Morath: »Menschen.Bilder.«

Knapp 800 Gäste aus ganz Österreich, aus Slowenien und selbst Touristen aus Deutschland ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen, die große Fotoausstellung mit rund 120 Bildern aus dem eindrucksvollen Werk der Fotografin von Weltrang zu bestaunen.

Es war eine Hommage an die steirisch-slowenische Grenzregion: Besucherinnen und Besucher aus nah und fern kamen ins Greith-Haus, um die seit langem größte Inge-Morath-Schau in Österreich zu sehen. Darunter Berufskollegen, Experten und viele, die die Fotografin persönlich kennenlernen durften, insbesondere während ihrer letzten Reise, die sie 2001 in unsere Gegend führte. Die Ausstellung im Greith-Haus zeigte unter anderem große Teile der dabei entstandene Serie »Grenzräume«, und beim Filmabend im Rahmen der Ausstellung gaben Leihgeber Kurt Kaindl und Regisseurin Regina Strassegger Einblicke in das Leben und die Arbeit dieser Weltbürgerin mit steirischen Wurzeln.


Eine Einführung in das Sehen und Denken Inge Moraths

Die 1923 in Graz geborene Inge Morath erzählt mit ihren Bildern Geschichten. Ihre Beobachtungen sind oft auf Menschen fokussiert, die den Charakter ihrer Umgebung beschreiben. Berühmte Menschen, aber auch Unbekannte werden so zu Überbringern von Eindrücken, Stimmungen, Vermutungen und Erkenntnissen – der ihr eigene, aus großer Aufmerksamkeit genährte Blick ist dabei ebenso zurückhaltend wie vielsagend.

Inge Morath – Selbstportrait, Kobarid 2001
© Inge Morath / FOTOHOF archiv

Weltbürgerin mit steirischen Wurzeln

Inge Morath war eine Weltbürgerin mit vielen Wahlheimaten – Deutschland, Frankreich, und vor allem Amerika. Seit den 1960ern bis zu ihrem Tod im Jahr 2002 lebte sie in Connecticut zusammen mit ihrem Ehemann, dem amerikanischen Dramatiker Arthur Miller. Ihre fotografische Karriere begann Inge Morath Mitte der 1950er-Jahre, sie arbeitete für die renommierte Fotoagentur »Magnum« und mit bekannten Fotografen wie Ernst Haas, Robert Capa und Henri Cartier-Bresson zusammen.

In ihr Geburtsland Österreich kehrte Inge Morath immer wieder zurück – herausragende Fotoserien entstanden während dieser Reisen. »Das Paradies ihrer Kindheit«, wie sie es nannte, war die ehemalige Untersteiermark. Im Februar 2001 brach Inge Morath gemeinsam mit der österreichischen Filmemacherin Regina Strassegger zu einer ganz persönlichen Spurensuche in ihre Vergangenheit auf – niemand ahnte, dass diese Reise ins steirisch-slowenische Grenzgebiet auch ihre letzte sein würde.


»Menschen.Bilder.« und ein Blick auf Inge Morath

Die Ausstellung »Menschen.Bilder.«, kuratiert von Martin Behr, umfasste rund 120 ausgewählte Bilder aus der 2001 entstandenen Serie »Grenzräume« sowie einem Portfolio mit Szenen aus dem Nachkriegsösterreich und dem Lebensalltag der 1960er- und 1970er-Jahre. Im Greith-Haus waren die Arbeiten dieser Serien erstmals in einem Haus vereint zu sehen – den Besucherinnen und Besuchern bot sich damit eine einmalige Gelegenheit, sich von der über Jahrzehnte hinweg gleichbleibend hohen Qualität im Werk Inge Moraths zu überzeugen. Begleitend gezeigt wurde das Dokumentarfilm-Portrait »Copyright by Inge Morath« (Sabine Eckhard, 1991) sowie die Bildserie »Inge Morath – Das stille Atelier« von Kurt Kaindl (Fotohof Salzburg), die im Greith-Haus erstmals ausgestellt wurde und die einen Blick in das Leben und die Arbeitsweise Inge Moraths erlaubt.

Seit der Ausstellung »Grenz.Räume« im Rahmen der Kulturhauptstadt Graz 2003 widmete sich keine größere Schau mehr dem so reichen und vielfältigen Werk Inge Moraths.


Ausstellungskatalog

Zur Ausstellung ist ein zweisprachiger Katalog erschienen, der neben einem Querschnitt der gezeigten Fotos auch die Bildserie »Das stille Atelier« von Kurt Kaindl mit bislang noch nie gezeigten Fotos aus den Arbeitsräumen Inge Moraths in Roxbury, Connecticut beinhaltet. Außerdem darin zu finden: Textbeiträge von Martin Behr (Kurator der Ausstellung), Kurt Kaindl (Leihgeber) sowie dem Schriftsteller Gerhard Roth. Erhältlich ist der Katalog im Greith-Haus sowie in unserem Online-Shop.


Vernissage mit slowenischen Schmankerln

27. März 2015

Ganz im Zeichen der Biografie Inge Moraths und zugleich der steirisch-slowenischen Nachbarschaftspflege stand die Eröffnung der Fotoausstellung »Menschen.Bilder.«: Das Greith-Haus-Team lud zu »Struklji« – pikante Strudelvariationen – vom Gasthof Pri Lipi in Muta, das für seine regionalen Bioprodukte und Speisen nach alten slowenischen Originalrezepten bekannt ist. Musikalisch umrahmt wurde der Abend vom slowenischen Saxophon-Quartett »Quadro Copter«. Unter den Gästen waren neben dem Kurator der Ausstellung Martin Behr auch der Leihgeber Kurt Kaindl mit seiner Ehefrau Brigitte Blüml-Kaindl.


Filmabend »Die letzte Reise«

11. April 2015

Mit dem Film »Grenz.Räume: Inge Morath – Letzte Reise« (2003) von Regina Strassegger unter Anwesenheit der Regisseurin und dem Leihgeber der Ausstellungsexponate Kurt Kaindl (FOTOHOF archiv Salzburg)

Der eindrucksvolle Film begleitet Inge Morath in ihre Heimat und wirft dabei einen Blick auf Zeitgeschichte und Zeitgenössisches aus dem Grenzraum zwischen Steiermark und Slowenien, der ehemaligen Untersteiermark. Zu Gast an diesem Abend waren neben der Regisseurin des Films Regina Strassegger auch der Leihgeber der Ausstellungsexponate Kurt Kaindl, die beide mit Inge Morath persönlich bekannt waren. Im Anschluss an die Filmpräsentation gaben sie in Reflexionen Einblicke in das Leben und Schaffen dieser außergewöhnlichen Fotografin.